Christine Egger-Schöb

Ein Gespräch mit Christine Egger-Schöb, der Leiterin Finanzen und Marketing bei der Schöb AG über Holzarchitektur und Holzsystembau.

Wie würden Sie die Leistungen Ihres Unternehmens charakterisieren?

Unsere Produkte sind qualitativ sehr hochwertig, da wir grossen Wert auf die Halbfabrikate und Zulieferer legen. Unsere Holzbauprojekte sind nicht erst seit dem grünen Hype auf einen langlebigen, nachhaltigen und ökologischen Gedanken ausgerichtet. Dies ist seit 70 Jahren der Grundstein unserer Philosophie. Wir stehen für 100 % Swissness. Dies untermauerten wir auch in der schwierigen Zeit, als der Franken Parität hatte und das Rundholz aus der Schweiz über Nacht 20 bis 30 % teurer wurde. Mit unserem Leimholzwerk, wo wir Konstruktions- und Brettschichtholz aus 100 % Schweizer Holz produzieren, standen wir unter enormem Druck. Doch anstatt zu schliessen, haben wir nun laufend in die neusten Maschinentechnologien investiert, um effizienter zu werden.

Wo glauben Sie unterscheiden Sie sich von anderen Anbietern?

Wir bieten individuelle Häuser von der Architektur bis zur Bauleitung unter Berücksichtigung des Budgets, der Lebensgewohnheiten und der Parzelle. Es geht uns wirklich darum, für unsere Kunden ihr persönliches Traumprojekt zu realisieren – ob dies ein EFH oder MFH ist, spielt dabei keine Rolle.

Sie wirken sehr innovativ – wo nahm diese Innovationskraft ihren Anfang?

Unser Vater hat in Schweden 1970 die ersten halbautomatischen Industrieanlagen für den Holzsystembau gekauft. Er hat also nie von Hand produziert. Dass er uns die Faszination von seinem Leitsatz «mit weniger mehr produzieren» in die Wiege gelegt hat, kommt daher nicht von ungefähr. Wir versuchen die Prozesse stetig zu verbessern und auch im Unternehmen zu festigen. Wir kaufen selten Grossmaschinen von der Stange, sondern konzipieren sie auf unsere Bedürfnisse. Daher kommt es auch nicht von ungefähr, dass wir immer wieder Prototypen bei uns stehen haben, die wir für Maschinenhersteller testen und verbessern.

Um immer State of the Art zu sein, werden engagierte und innovative Mitarbeiter gebraucht. Haben Sie keine Probleme, diese zu finden?

Wie in allen anderen Branchen auch ist im Baugewerbe der Kampf um Fachkräfte hoch. Wenn ein Familienbetrieb sich so stark der Innovation verschrieben hat, wie wir es tun, und auch noch sehr spannende Grossprojekte abwickeln darf, hofft er natürlich, dass dies auf Fachpersonen motivierend wirkt. Um den Nachwuchs zu erhalten, bieten wir vier verschiedene Lehrberufe an und haben permanent zwei bis drei Mitarbeiter in weiterführenden Schulen.

Worauf legen Sie als Arbeitgeber besonderen Wert?

Es ist uns wichtig, dass unsere Mitarbeiter unsere Werte wirklich mittragen. Diese sind: Qualität, Anstand und Ehrlichkeit. Nur so können wir am Markt überzeugen und unsere hohe Qualität halten. Wir sind sehr offen für Kritik und über unser Lean Management beziehen wir unsere Mitarbeiter in die Prozessoptimierung voll ein. Ich denke, es macht sehr viel aus, dass unsere Mitarbeiter nicht nur «Befehlsempfänger» sind, sondern aktiv am Rad mitdrehen können.

Wohin glauben Sie geht der Trend im Holzbau?

Holz ist nicht nur ein heimeliger Baustoff, sondern auch ein leistungsfähiger. Trotz seinem sehr geringen Eigengewicht ist Holz sehr dauerhaft, in jeder Form lieferbar und kann grosse Spannweiten problemlos überwinden. Leistungsstarke CNC-Anlagen garantieren millimetergenau ausgeführte Gebäude, und dies auch noch in schwindelerregender Durchlaufzeit. Dies im Zusammenhang mit neuen Vorschriften lässt ganz andere Dimensionen und Nutzungen von Gebäuden aus Holz zu. So dürfen wir mehrgeschossige Gebäude mit bis zu sechs Stockwerken in der Schweiz erstellen, und dies ist erst der Anfang. Gerade auch der Sanierungsbereich, sei es ein Anbau oder eine Aufstockung in Holzsystembauweise, ist sehr effizient. Die komplette Vorfabrikation der Holzelemente findet unter gleichbleibenden klimatischen Bedingungen im Werk statt. Eine rasche, trockene und effiziente Bauzeit auf der Baustelle ist somit problemlos möglich. Diese Leistungsmerkmale in Verbindung mit der ökologischen Grundhaltung unserer Gesellschaft werden dem Holzbau nochmals Schub geben.

Sie setzen bei Ihren Fahrzeugen auch auf BMW von HEIDEGGER. Wieso?

BMW bietet eine breite Palette an Fahrzeugen für alle Bedürfnisse und doch ist das «Grundgerüst» darunter immer dasselbe. Das spricht für Qualität, Leistung und Langlebigkeit. Das sind auch Attribute, die für unsere Firma gelten. Egal welche Wünsche die Kunden äussern, wir machen sie in der gewünschten Form wahr, da wir das Grundgerüst unserer Produkte über Jahrzehnte perfektioniert haben und dies auch weiterhin mit sehr viel Leidenschaft und Herzblut tun werden.

Sie setzen klar auf den Wirtschaftsstandort Schweiz – wo glauben Sie liegen die Stärken? Sehen Sie auch Schwächen?

Es kann nicht sein, dass wir ein Qualitätsprodukt verkaufen und kaum ist der Kunde zur Türe raus, schreie ich nach dem billigen Jakob. Ein Qualitätsprodukt kann nur so gut sein wie dessen Komponenten. Es ist für uns ein zentraler Faktor, dass wir wissen, woher unsere Produkte stammen und wer der Partner ist, der dahintersteht. Ansonsten könnten wir nicht mehr ruhig schlafen.

Als innovatives Unternehmen haben Sie bestimmt schon spannende Weiterentwicklungen und Projekte geplant – können Sie hier etwas aus dem Nähkästchen plaudern?

Aktuell bewerben wir uns bei der InnoSuisse um ein Innovationsprojekt für einen neuen Holzfaserdämmstoff. Der neue Wandaufbau besticht durch seine markant verbesserte, natürliche und dampfdiffusionsoffene Bauweise. Dies führt zu einer Verbesserung der Behaglichkeit für die Bewohner. Die verwendeten Rohstoffe stammen alle ausschliesslich aus der Schweiz und aus Liechtenstein. Wir bringen dabei noch mehr naturbelassene Materialien in die Aussenhülle des Gebäudes. Die ersten Testanlagen hat mein Bruder gekauft und entsprechend den Bedürfnissen angepasst. So konnten wir bereits ein paar Testserien fahren. Nun möchten wir aber die InnoSuisse die EMPA als Forschungspartner gewinnen, damit wir die Marktreife erreichen.

Sie legen Wert auf Nachhaltigkeit – wie leben Sie als Unternehmen dieses Bekenntnis?

Wir arbeiten mit einem sehr sensiblen Baustoff, der unseren natürlichen Lebensraum direkt beeinflusst, nämlich Schweizer und Liechtensteiner Fichtenholz. Es geht also nicht darum, so viel wie möglich zu ernten, sondern nur so viel wie nötig. Und diese gesunde Balance versuchen wir in allen unseren Anspruchsgruppen aktiv zu leben. Die richtige Balance zu finden in unseren Entscheidungen – seien dies wirtschaftliche, soziale oder ökologische – ist uns ein grosses Anliegen. Dadurch schaffen wir fortbestehende Werte, die auch für zukünftige Generationen tragbar sein werden. Diese Gedanken haben auch Auswirkungen auf unsere Fahrzeugflotte, die dank mehrerer vollelektrischer BMW i3 ebenfalls ökologischer wird – und dazu noch richtig Freude am Fahren macht.